Themenwoche „25 Jahre Mauerfall“

Lesung mit Verena Glanos

Lesung mit Verena Glanos

„Die Gegenwart kann man nur verstehen, wenn man die Vergangenheit kennt.“ Mit diesen Worten führte Schulleiterin Helga Lerch zwei sechste Klassen des Gymnasiums Nackenheim in die Auftaktveranstaltung der Themenwoche „25 Jahre Mauerfall“ ein. „Ihr werdet diese Woche viele Filme und Dokumentationen über das Thema Mauerfall zuhause im Fernsehen sehen und wir hoffen, ihr könnt durch diesen Vortrag einiges davon besser verstehen“, begründete Frau Lerch die Entscheidung, neben den Jahrgangsstufen 9 bis 11 auch die jüngeren Schüler in die Themenwoche miteinzubeziehen.

Gespannt verfolgten diese daraufhin die Lesung von Verena Glanos am 4.11.2014, die neben ihrer Arbeit als Nachrichtenredakteurin der ZDF-Kindersendung „Logo“ auch Sachbücher für Kinder schreibt. Ihr Buch „Wie war das mit der Mauer?“ soll gerade jungen Lesern das vermeintlich trockene Thema verständlich und eindrücklich nahebringen. Die Bodenheimer Buchhandlung Ruthmann stellte den Kontakt zwischen dem Gymnasium und der Autorin her und organisierte zwei Lesungen im Rahmen der Themenwoche.

Frau Glanos, deren Stimme einige Kinder aus dem Fernsehen begeistert wiedererkannten, bot den Schülern anhand zweier fiktiver Kinderschicksale einen lehrreichen und visuell unterstützen Überblick vom Ende des Zweiten Weltkriegs über die Teilung Deutschlands bis zum Alltag in der DDR und dem Mauerfall. „Ich habe viele Fragen von Kindern aus meinem Bekanntenkreis mit ins Buch genommen und versucht, diese möglichst einfach und spannend zu beantworten“, so die Autorin über ihr zweites Sachbuch. Tatsächlich gelang es ihr, die Aufmerksamkeit des jungen Publikums 90 Minuten lang aufrecht zu erhalten und komplexe Begriffe wie „Kapitalismus“, „Kommunismus“, „Kalter Krieg“ und „Planwirtschaft“ kindgerecht zu vermitteln. Besonders die Lebenssituation von Schülern in der damaligen DDR und die eingeflochtenen Geschichten von Zeitzeugen über deren oft abenteuerliche Fluchtversuche fesselten die Kinder, die auch nach der Lesung noch eifrig Fragen und persönliche Bezüge zur Thematik herstellten. Mit einleitenden Sätzen wie „Der Bruder von meinem Opa wurde bei der Flucht angeschossen“ oder „Die beste Freundin meiner Mutter hat sich unter der Mauer durchgegraben“ gaben die Schüler eigene Geschichten aus ihrem Familien- und Bekanntenkreis preis und regten zum weiteren Austausch mit der Autorin an. „Ich freue mich sehr, dass euer Interesse an diesem Thema so groß ist und alle toll zuhörten, denn das ist nicht selbstverständlich“, lobte Frau Glanos die jungen Gymnasiasten, die Zuhörer bei der ersten Lesung aus dem aktuell erschienenen Sachbuch sein durften.

Die Schüler aus der zweiten Lesung am selben Tag beeindruckten Frau Glanos mindestens ebenso sehr: Sie hatten schon während der Lesung so rege mit der Autorin diskutiert, dass es zum Ende der letzten Schulstunde des Tages gongte, kurz bevor das letzte Kapitel gelesen werden sollte. Und obwohl alle Schüler nach Hause gekonnt hätten, blieb jeder auf seinem Platz sitzen und wartete gebannt auf das Kapitel zum Mauerfall.

Nach der gelungenen Auftaktveranstaltung für die 6. Klassen wurde das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls auch für die älteren Jahrgangsstufen aufgearbeitet. Die Fachschaften Sozialkunde und Geschichte unter Federführung von Sozialkundelehrer Dirk Müller bereiteten die Schüler im Unterricht auf die Themenwoche vor und zeigten am Donnerstag, 6.11.2014 altersgerechte Filme wie „Sonnenallee“ und „Good Bye Lenin“. Mit Kommentaren wie „Die Jugendlichen konnten ja noch nicht mal die Musik ihrer Wahl hören“ und „Die Politik war in der Schule allgegenwärtig“ zeigten die Neuntklässler ihr Erstaunen in der Besprechung nach der Filmvorführung. „Wir hätten gerne noch mehr über die damalige DDR erfahren und freuen uns, wenn wir in zwei Jahren mit Zeitzeugen sprechen können“, gab eine Schülerin der Klasse 9a ihrem Interesse Ausdruck. Tatsächlich hatte die 11. Jahrgangsstufe die besondere Gelegenheit, nach dem Film „Das Leben der Anderen“ mit der Zeitzeugin Bärbel Große ins Gespräch zu kommen und Einblicke in deren Stasi-Akte zu erhalten.

Zusätzlich zu den Veranstaltungen rund um das Jubiläum des Mauerfalls und um alle Schüler des Gymnasiums in die Thematik einzubinden, war im Foyer des Altbaus eine Poster-Ausstellung „Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland“ zu sehen, die vom Leistungskurs Sozialkunde von Frau Windmöller organisiert wurde. Die Plakate gaben in den Pausen Anlass zu Gesprächen und wurden von den 8. bis 10. Klassen zusätzlich gesondert im Unterricht bearbeitet.

„Besonders die Begegnung mit der Zeitzeugin war für die Schüler beeindruckend. Das gesamte Projekt war ein voller Erfolg“, resümierte Herr Müller am Ende der Woche zufrieden und plant, die Themenwoche auch in den nächsten Jahren fortzuführen.