Erster Austausch mit polnischem Gymnasium

Polenaustausch

Polenaustausch

70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht in der öffentlichen Debatte das dunkelste Kapitel der Deutschen Geschichte im Fokus der Aufmerksamkeit. Deutschlands Rolle in Europa und der Welt sind bis heute geprägt vom Versuch die Geschehnisse dieser Zeit zu verarbeiten und Verantwortung für die Gestaltung einer Zukunft zu übernehmen, in der etwas Vergleichbares nie wieder geschehen darf.

Die Partnerschaft der Landkreise Mainz-Bingen und des polnischen Kreises Nysa bilden auf lokaler Ebene einen seit vielen Jahren bestehenden und sehr erfolgreichen Ansatz, die Beziehung Deutschlands zu seinem östlichen Nachbarn nachhaltig zu festigen. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Schüleraustausch angeregt, der in diesem Jahr erstmals vom Gymnasium Nackenheim und dem Carolinum Nysa durchgeführt wurde.

Die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte machten sich auf den Weg nach Nysa und wurden dort herzlich von den Gastfamilien in Empfang genommen, welche den ersten Tag der Begegnung gestalteten und den Jugendlichen Einblicke in ihren Alltag gewährten. Das Lyceum und Gymnasium Carolinum wurde in den nächsten Tagen zum zentralen Treffpunkt der Jugendlichen, die gemeinsam mit ihren Gastgebern in die Schule kamen. Nach einem Rundgang durch die Schule und die Stadt wurde die gesamte Gruppe vom Bürgermeister empfangen, der die Bedeutung der Begegnung betonte. Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau stellte für viele Schülerinnen und Schüler ein einschneidendes Erlebnis dar. Die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft mit eigenen Augen zu sehen, bedeutete für viele Schülerinnen und Schüler eine emotionale Konfrontation mit der Geschichte ihres Heimatlandes, die sicher noch lange Zeit nachwirken wird.
Am folgenden Tag besuchte die gesamte Reisegruppe Breslau. Die künftige
Kulturhauptstadt Europas präsentierte sich bei bestem Wetter. Bedeutende Wahrzeichen der Stadt wurden von den Schülerinnen und Schülern in gemischten Gruppen erkundet und einander vorgestellt. Neben dem Stadtzentrum mit dem Rathaus und den bekannten Breslauer Zwergen lernten die Schüler auf diese Weise die Universität, die Dominsel und zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten kennen. Nicht erst an diesem Tag rückten die beiden Gruppen merklich zusammen. Gemeinsame Unternehmungen und Ausflüge, die auch über die Unterrichtszeit hinaus stattfanden, trugen dazu bei, das Verständnis füreinander zu vertiefen.

Am letzten Tag der Reise wurde zunächst eine gemeinsame Sportstunde veranstaltet, bevor die Schülerinnen und Schüler eine Wanderung zum Grab Joseph Eichendorffs unternahmen. Dabei wurde neben der kulturellen auch die historische Verbundenheit Deutschlands und Polens thematisiert. Vor diesem Hintergrund war der emotionale Abschied der Schülerinnen und Schüler von ihren Gastfamilien am Abend ein Zeichen dafür, dass der Austausch fruchten konnte und Brücken geschlagen wurden.
Nach dem beeindruckenden und vielseitigen Besuch in Nysa ist die Schule bereits
gespannt auf den Rückbesuch der polnischen Gruppe, die im nächsten Jahr erfolgen soll und plant diese mit der Aussicht, Freunde willkommen heißen zu können.