Der Weg zur Tablet-Projektschule

 

Rundgang durch die Projektvorstellungen

Rundgang durch die Projektvorstellungen

„Das Mitschreiben im Unterricht erledige ich größtenteils nur noch mit dem iPad und habe damit gleichzeitig den gesamten Lernstoff digitalisiert“, freut sich Patrick, MSS-Schüler der Jahrgangsstufe 10 bei seiner Vorführung der App „GoodNotes“ am 18.6.2015.

So wie er präsentierten viele andere begeisterte Schüler ihre Erfahrungen seit der Einführung der Tablets am Gymnasium Nackenheim 110 Lehrern aus anderen Schulen aus ganz Rheinland-Pfalz, die zu Fortbildungszwecken den zum Teil weiten Weg nach Nackenheim angetreten haben. In einem Rundgang durch das Erdgeschoss des Neubaus konnten sich die Pädagogen über Möglichkeiten des Tablet-Einsatzes in verschiedenen Unterrichtsfächern informieren und Fragen an die versierten Gymnasiasten stellen, um dann in Workshops von Lehrern des Gymnasiums und externen Experten weiter geschult zu werden.

Bewegungsabläufe analysieren im Sportunterricht

Bewegungsabläufe analysieren im Sportunterricht

So stellte Jonas aus dem Physik-LK sein selbst kreiertes digitales Buch zum Projekt „Gleichmäßig beschleunigte Bewegung“ vor, das im Vergleich zum alten Protokoll auch Audio-Dateien und Videos enthält. „Die App „book creator“ ist einfach zu bedienen und gerade zur Dokumentation längerer Projekte gut geeignet“, stellte er die Vorteile für seine Zuhörer heraus. Auch im Sportunterricht kommt das Tablet oft gewinnbringend zum Einsatz, wie Timon mit der App „Coach’s Eye“ demonstrierte,  indem er eine Turnübung einer Mitschülerin filmte und Sekunden danach mit einer Bild-für-Bild-Analyse Korrekturen an ihrer Haltung vornahm. „Wir Schüler können so unsere Fehler selbst sehen und damit auch besser verstehen, was wir noch verbessern können“, lobte Timon die Nutzung des Tablets.

Tablets im PÜhysikunterricht

Tablets im Physikunterricht

Auch in textlastigeren Fächern wie Ethik, Geschichte oder Erdkunde präsentierten Schüler dem Publikum, wie man mit dem Tablet arbeiten kann. „Komplexe Themen und Texte kann man mit Apps wie „Explain Everything“ oder in Erklärvideos für andere Schüler leicht verständlich machen, da man die Vorgänge sichtbar machen kann“, erklärte Vanessa anhand des Gefangenendilemmas aus dem Bereich Wirtschaftsethik. „Es macht uns Spaß, damit zu arbeiten und es ist etwas anderes, als immer nur Texte zusammenzufassen“, brachte es Sebastian auf den Punkt.

Schulleiterin Helga Lerch zeigte in ihrer Eröffnungsrede den Weg auf, den ihre Schule nun seit 1,5 Jahren im Zuge der Tablet-Einführung gegangen ist: „Wichtig war und ist, das Kollegium auf diesem Weg mitzunehmen, denn neben der Bereitstellung der Gelder durch den Landkreis und die technische Ausstattung ist dies ein wesentlicher Bestandteil, damit ein solches Projekt funktionieren kann.“ So investierte der Landkreis 700.000 Euro, um die Räume des Gymnasiums mit Beamern, Boxen und Apple-TV auszustatten, alle Lehrer und Oberstufenschüler mit Leih-Tablets zu versorgen und für die Unter- und Mittelstufe iPad-Koffer anzuschaffen, damit auch diese schrittweise an den Umgang mit Tablets gewöhnt werden. Zwei Spezialisten zu IT-Fragen stehen am Gymnasium Nackenheim immer zur Verfügung, um die technische Seite des Projekts zu sichern, während Professor Aufenanger von der Universität Mainz die Schule wissenschaftlich begleitet und regelmäßig evaluiert.

Demonstration des Mobile Device Managements

Demonstration des Mobile Device Managements

Herr Zinecker, Lehrer am Gymnasium Nackenheim und Hauptorganisator des Fortbildungstages, betonte die pädagogische Seite des Projekts: „Ziel jeglicher Bildung ist es, selbstständige und mündige Erwachsene heranzubilden und auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Die mediale Welt sollte heutzutage nicht mehr aus der Schule ausgeklammert werden, denn gerade im Schutzraum Schule können die Schüler Chancen und Risiken der neuen Medien kennenlernen.“ Diesem Ansatz stimmte die Vorsitzende des Schulelternbeirats, Frau Schneider, zu, die Mitglied im Arbeitskreis Medienkompetenz der Schule ist und beispielsweise Elternabende zum Thema „Hilfe, was macht mein Kind im Internet“ begleitet.

Auch speziell ausgebildete Schüler helfen tatkräftig mit, um andere Schüler über die neuen Medien aufzuklären. „Wir zeigen unseren Mitschülern zum Beispiel die Gefahren bei „WhatsApp“, „Instagram“ oder bei In-App-Käufen und gehen durch die 5. Klassen, die teilweise sehr naiv damit umgehen“, erklärten Natalie, Joshua und Jan aus den 7. und 8. Klassen ihre Arbeit als Medien-Scouts.

„Bis 2016“, so erläuterte Herr Wolf die Zielsetzung der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, „sollen alle 21 Schulstandorte mit Tablets ausgestattet werden. Schulen wie das Gymnasium Nackenheim haben dabei eine wichtige Vorreiterfunktion und ein solcher Tag wie heute trägt enorm dazu bei.“