Exkursion der MSS 10 in die Gedenkstätte KZ Osthofen

Gedenkstätte KZ Osthofen

Gedenkstätte KZ Osthofen

Gemeinsame Erinnerungen sind manchmal die besten Friedensstifter. (Marcel Proust)

Was die Welt braucht, ist weniger Belehrung als Erinnerung. (Sprichwort)

An dem Gedenktag an die Reichspogromnacht besuchten alle Schülerinnen und Schüler der MSS 10 die Gedenkstätte KZ Osthofen. Bei der Gedenkstätte handelt es sich um ein sehr früh eingerichtetes Konzentrationslager, in dem Gegner des NS-Regimes zwar nicht ermordet, aber gedemütigt und misshandelt wurden. Die Exkursion erfolgte im Rahmen des Geschichts- und Religions- bzw. Ethikunterrichts und bildet einen wichtigen Beitrag zur Integration regionaler Geschichte in den Unterricht. Am meisten berührt haben mich die Einzelschicksale der Insassen in der Dauerausstellung‚ Verfolgung und Widerstand in Rheinland-Pfalz 1933-1945‘“, berichtet Alina (MSS 10).

Ein Schülerbericht von Anna Riechenberg (10):

Es ist der 9. November und wir werden heute die Gedenkstädte  KZ Osthofen besuchen. Es wird das erste Mal für mich sein, dass ich einen solchen Ort betrete.  Schon auf der Zugfahrt nach Osthofen kann ich das Gebäude des ehemaligen KZ Osthofen sehen. Ich frage mich, was die Menschen wohl früher gedacht haben, wenn sie an dem Lager vorbei gefahren sind.

Bei dem Wort „Konzentrationslager“ habe ich bis jetzt immer an gefängnisähnliche Anlagen gedacht, die weitentfernt irgendwo im Osten waren, in denen Menschen in schlimmen Verhältnissen leben, Schwerstarbeit verrichten und schließlich sterben mussten.

Doch wie ich heute lernen werde, trifft das nicht (alles) auf das                                         KZ Osthofen zu. Das KZ Osthofen wurde schon kurze Zeit nach                                       der Machtergreifung Hitlers eingerichtet. In dem Gebäude                                                befand sich vormals eine Papierfabrik, die sich im Besitz einer                                       jüdischen Familie befand. Nachdem Hitler an die Macht                                                gekommen war, wurde diese enteignet. Das Gebäude stand                                                also leer und den Nationalsozialisten zur Verfügung . Im                                                               Raum um Worms hatte die NSDAP durch die vielen dort                                                    lebenden Arbeiter viele politische Gegner, hauptsächlich                                                           Kommunisten und Sozialdemokraten. Die NSDAP duldete aber                                          keine anderen Meinungen, weshalb sie ihre Gegner möglichst                                              schnell mundtot machen wollten. Zu diesem Zweck wurde                                                Anfang März 1933 das KZ Osthofen eingerichtet. Es war ein                                            sogenanntes „Erziehungslager“, kein Vernichtungslager.                                                    Häftlinge blieben oft nicht länger als 6 bis 8 Wochen im KZ,                                     umgebracht wurde in Osthofen niemand. Seinen Zweck erfüllte                                               das KZ anscheinend dennoch. Im  Juli 1934 wurde es                                                          geschlossen.

Zum Auftakt des Besuchs teilen wir uns in drei Gruppen auf. In den Gruppen sprechen wir darüber, was wir bereits über die NS-Zeit und Konzentrationslager wissen. Wir lernen, dass das KZ Osthofen von der NSDAP nach außen anders dargestellt wurde als es tatsächlich war. Es existieren beispielsweise Zeitungsartikel, in denen darüber geschrieben wird, dass im KZ Osthofen Menschen eine zweite Chance gegeben werde, die Menschen zu besseren Menschen erzogen werden, sogar einen Beruf erlernen könnten und das Essen besser als bei Mutter schmecke. Tatsächlich gab es im KZ Osthofen nicht mal Werkstätten, die Menschen bekamen nicht einmal sinnvolle Tätigkeiten und um das Essen hatten sich die Inhaftierten selbst zu kümmern.

Außerdem sehen wir ein Video, indem ein ehemaliger Häftling von seinen Erfahrungen erzählt. Wir können deutlich sehen, dass es ihm schwerfällt über das Erlebte zu sprechen. Er berichtet beispielsweise davon, dass jüdische Gefangene deutlich schlechter behandelt wurden als nichtjüdische. Außerdem mussten die Gefangenen unterschreiben, dass sie niemals gefoltert wurden, auch wenn das nicht zutraf. Weigerte man sich, wurde man in das sogenannte Lager 2 gebracht, wo die Umstände noch schlimmer waren. Ein Mithäftling des Zeitzeugens hatte dort innerhalb von 2 Wochen 25 kg abgenommen.

Nach einer kleinen Pause bekommen wir eine Führung über das Gelände. Wir sehen die Halle, in der die Häftlinge untergebracht waren. In der Halle ist es eiskalt. Die Umstände, dass Häftlinge damals nur die Kleidung hatten, die sie bei ihrer Verhaftung trugen und dass sie nur ein wenig Stroh hatten, um darauf zu schlafen, machte das Ganze noch schlimmer. Manche Häftlinge trugen wegen der Feuchtigkeit und Nässe in der Halle bleibende Organschäden davon, mit denen sie noch nach der NS-Zeit zu kämpfen hatten.

Auf dem ehemaligen „Appellplatz“ erfahren wir noch weitere Fakten, z.B. dass sich die Umstände und die Angst der Häftlinge nach einer vorgetäuschten Erschießung in der Nacht noch verschlimmerte und dass von insgesamt 3000 Häftlingen nur 2 den Versuch machten, zu fliehen.

Nach der Führung kehren wir in die Konferenzräume zurück. Wir bekommen zum Abschluss noch ein Video gezeigt, das mich zum Nachdenken bringt: Das Video stammt aus dem Jahr 1988. Die Osthofener werden gefragt, ob sie es für sinnvoll halten, dass im ehemaligen KZ eine Gedenkstätte eingerichtet wird. Neben den Leuten, die die Einrichtung einer Gedenkstätte unterstützen, gibt es auch einige, die durch Hören-Sagen erfahren haben wollen, dass im KZ Osthofen nichts vorgefallen ist, als wollten sie ihren Ort verteidigen.  Andere drehen sich, als sie die Frage hören, einfach um und gehen weg.

Das zeigt mir, dass Gedenkstätten wie die in Osthofen wichtig sind, um die Menschen aufzuklären. Wir selbst tragen keine Schuld für das, was andere Generationen vor uns getan haben. Wenn wir aber folgende Generationen nicht über das informieren, was damals passiert ist, tragen wir die Verantwortung dafür, dass die Dinge irgendwann in Vergessenheit geraten.