Besuch der KZ-Gedenkstätte Osthofen

„Ein Konzentrationslager?! Hier bei uns in Osthofen!?“ Das war wohl unser erster Gedanke, als man uns über die Exkursion der MSS10 nach Osthofen informierte. Am 17. Januar war es dann soweit. Gemeinsam mit unseren Ethik- bzw. Religionslehrern und zusätzlich unterstützt durch Frau Kaiser machten wir uns auf den Weg zur Gedenkstätte des ehemaligen KZ Osthofen.

Gruppenarbeit in Osthofen

Gruppenarbeit in Osthofen

Dort angekommen wurden wir in Kleingruppen auf verschiedene Räume aufgeteilt. Dort konnten wir Fragen stellen und uns wurde erklärt, dass das Gebäude, in welchem sich im Zeitraum von 1933-1934 das Konzentrationslager Osthofen befand, früher eine Papierfabrik war und es nach der Schließung zu einer Möbelfabrik wurde. Aufgrund dieser Veränderung fehlt heute jegliche Inneneinrichtung aus der Zeit des KZ’s. Außerdem erfuhren wir interessante Hintergrundinformationen über die Häftlinge im Lager: Das Lager wurde nur für politische Gegner der NSDAP zu Beginn der „Machtergreifung“ Hitlers gebaut und der Öffentlichkeit als eine Art „Umerziehungsanstalt“ präsentiert. Die Häftlinge gehörten überwiegend der KPD oder der SPD sowie Gewerkschaften an und ihre Haftdauer betrug im Durchschnitt mehrere Wochen, konnte aber auch länger sein. Während ihrer Haftzeit lebten die Häftlinge unter menschenunwürdigsten Verhältnissen, mussten oft unnötigen und körperlich erschöpfenden Aufgaben nachkommen (z.B.: Sandhaufen von A nach B tragen) und waren dem Wachpersonal dabei schutzlos ausgeliefert. Es gab nur eine Regel, welche von Seiten des Wachpersonals eingehalten werden musste: Kein Häftling durfte während seiner Haftzeit sterben – alles andere war erlaubt. Nachdem wir also Grundlegendes über das ehemalige KZ Osthofen erfahren hatten, erhielten wir eine ausführliche Führung über das gesamte Gelände. Dabei hörten wir auch vom Standort des ehemaligen Lagers 2, welches heute nicht mehr existiert. Dort wurden damals die „Problemfälle“ unter den Häftlingen ausgelagert. Sie mussten Zwangsarbeit leisten und wurden physisch wie psychisch gefoltert. Wir konnten ebenfalls den früheren Appellplatz und die Halle betreten, wo die Häftlinge geschlafen und gelebt haben. Als wir den Außenrundgang beendet hatten, kehrten wir zu unseren Räumen zurück und schauten uns eine Videoaufzeichnung an, in der wir mehr über das Leben im Lager erfuhren. Darüber hinaus wurde thematisiert, wie die Osthofener die Umgestaltung des ehemaligen KZ’s als Gedenkstätte aufgenommen haben.

Anschließend hatten wir Zeit, uns die im Hauptgebäude befindliche Ausstellung anzuschauen, welche sich rund um Alltag und Widerstand in den Lagern zur Zeit des Nationalsozialismus drehte. Nach einer allgemeinen Besprechungsrunde fuhren dann alle, außer dem Leistungskurs Geschichte, zurück zur Schule. Der Leistungskurs blieb auch den Nachmittag über in der Gedenkstätte und nahm an einem weiterführenden Workshop teil. Hier arbeiteten wir mit Originalquellen aus der Zeit des Lagers, so lasen wir zum Beispiel die Akte eines Häftlings. Andere Gruppen setzten sich auf kreative Weise mit den Biographien einzelner Häftlinge auseinander.

Im Rückblick kann man sagen, dass der Ausflug äußerst informativ und sehr interessant war. Ich denke, der Besuch in der Gedenkstätte hat außerdem dazu beigetragen, den Begriff ‚Konzentrationslager‘ für sich selbst neu zu definieren. Mir wurde bewusst, dass der Nationalsozialismus auch hier bei uns in der Region sehr präsent war und dass das NS-Regime nicht nur ‚irgendwo in Deutschland‘, sondern auch bei uns vor der Haustür existierte. Gerade wegen dieser Erfahrung und wegen des Einblicks in die Originalquellen fand ich den Ausflug sehr lehrreich und vor allem realitätsnah – dies hat mir besonders gefallen.

Michelle K., MSS10