Exkursion zur Yavuz-Sultan-Selim-Moschee in Mannheim

“Eine wunderschöne und architektonische einmalige Moschee in Deutschland. Schon alleine die Lage zur Nachbarschaft zur Kirche ist ein sehr schönes Zeichen und Beitrag zum Zusammenleben”  Jack Russel

“Symbol für ein weltoffeneres und tolerantes Mannheim”  Frankfurter Allgemeine

Am 07. 02. 2019 machte der neunte Jahrgang des Gymnasiums Nackenheim einen Ausflug in die Moschee in Mannheim. Ich hatte vor meinen Besuch im Religionsunterricht zwar schon einiges zum Thema “Islam” kennen gelernt, jedoch hatte ich bisher noch nicht die Chance, das Innere einer Moschee mit meinen eigenen Augen zu sehen. Nach einer einstündigen Busfahrt erreichten wir unser Ziel: Die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee. Das erste, was mir auffiel, war ein Laden mit Gebetsteppichen vor dem Gebetshaus. Später klärte uns unser Führer auf, dass es in dieser Moschee nicht nur einen Raum zum Beten, sondern auch eine Cafeteria, einen Friseursalon, den Laden mit Gebetsteppichen, der mir am Anfang schon aufgefallen ist, und einen türkischen Kiosk gibt. Unsere Führung startete vor einem Brunnen, wo sich die männlichen Moscheebesucher waschen, bevor sie beten gehen. Was ich sehr schade und traurig finde, ist, dass Frauen einen immer noch schlechteren Stellenwert haben als Männer und nicht gleichberechtigt sind. So müssen Frauen sich auf der Damen-Toilette oder zu Hause waschen und sind verpflichtet, getrennt von den Männern auf einem “Balkon” zu beten, wo nicht so viele Frauen Platz haben, wie unten bei den männlichen Gebetsteilnehmern, wo bis zu 2000 Moslems gemeinsam Gebet halten können.

Viele meiner vorher ungeklärten Fragen konnten durch unseren Moscheebesuch geklärt werden. Männer und Frauen waschen sich in einer bestimmten Abfolge dreimal, damit sie gründlich gereinigt zu Allah treten, jedoch geht man mit dem Wasser auch sparsam um, weil in den östlichen Ländern Wasser gespart werden muss. Die Sauberkeit der Muslime zeigt sich auch durch das Ausziehen der Schuhe vor dem Gebetsraum und durch das tägliche gründliche Säubern des Teppichbodens. Man betritt die Moschee immer mit dem rechten Fuß, da man richtig zu Gott tritt. Es ist sozusagen der positivere Fuß und es wird somit ausgedrückt, dass man gerne vor Allah tritt. Mit dem linken Fuß geht man aus einer Moschee, da man ungerne Allah verlässt.

Was mir an der Inneneinrichtung aufgefallen ist, ist, dass in einer Moschee nicht wie in einer Kirche Bilder an der Wand hängen, sondern wichtige Verse bzw. Suren. Es gibt insgesamt 114 Suren, wovon 113 mit den Worten ”Im Namen des gnädigen und barmherzigen Gottes” anfangen. An der Decke der zweitgrößten Moschee Deutschlands ist die Sure 112 zu erkennen, ein kurzes Glaubensbekenntnis.

Auch zum Thema Ramadan wurden wir etwas genauer aufgeklärt. Es hat den Zweck, sich selbst einmal im Griff zu haben und dass einem bewusster wird, dass es Menschen gibt, denen es schlechter geht als einem. Daher spendet man während dieser Zeit auch Geld. Während vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang Muslime nichts essen, sind Alte, Kranke, Kinder und Schwangere davon nicht betroffen.

Dies sind nur paar der Themenbereiche, über die wir gesprochen haben. Unser Jahrgang hat auch einiges über die fünf Säulen des Islams, die heilige Pflicht des Lernens und über die Gebetsrichtung nach Mekka gelernt. Was ich auch noch sehr besonders im Vergleich zum Christentum finde, sind die verschiedenen Gebete, die nacheinander folgen. Zuerst findet das sogenannte ”Pflichtgebet” statt, wobei ich diesen Namen ziemlich unpassend finde, da man freiwillig beten sollte. Daraufhin folgt das Meditationsgebet mit einer Gebetskette. Diese Kette besitzt 99 Perlen für die 99 Namen Allahs. Zum Schluss folgt das private Gebet, vergleichbar mit der stillen Zeit nach den Fürbitten bei den Christen.

Nachdem wir den Gebetsteil der Männer sehen durften, besichtigten wir noch den ”Balkon”, auf dem die Frauen getrennt von den Männern beten. Dann war unser Besuch auch leider schon zu Ende. Einige kauften sich am Kiosk noch türkische Spezialitäten, die einen fairen Preis und gute Qualität aufzeigten. Um 11.30 Uhr fuhren wir auch schon mit dem Bus Richtung Schule zurück.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich sehr viel Neues dazugelernt habe. Den Zitaten zu Beginn kann ich nur zustimmen. Auch meiner Meinung nach ist es ein wunderschönes Bauwerk mit einer tollen Geschichte. Ich finde es schade, dass es zu Beginn Probleme mit der Baugenehmigung gab. Die Moschee gibt es inzwischen seit ca. 24 Jahren und hat eine sehr schöne Entwicklung gezeigt. Es finden regelmäßig Seminare statt und man kann sich als Führer ausbilden lassen. Was ich auch noch sehr besonders fand, ist der Umgang der verschiedenen Glaubensgemeinschaften heutzutage in Mannheim. Jeder respektiert jeden, egal, welche Religion der andere hat.

                                                                                                         Annika