„Verlorene Kämpfer“

Ein Patenklassenprojekt in Kooperation zwischen dem LK Geschichte der MSS11 und dem Staatstheater Wiesbaden

Der LK-Geschichte der MSS11 begleitete im Schuljahr 2018/19 als Patenklasse die Entstehung der Produktion „Verlorene Kämpfer“ am Staatstheater Wiesbaden. Neben regelmäßigen Probenbesuchen und verschiedenen Workshops am Theater besuchten die Schülerinnen und Schüler auch die ausverkaufte Premierenvorführung. In dem postdramatischen Stück handelt es sich um die Geschichte der 3. Generation der RAF, deren Wirkungsschwerpunkt im Rhein-Main-Gebiet lag. Folgende Gedanken hat sich der Geschichtskurs rund um die im Stück thematisierten Fragen nach der Legitimation von Gewalt, persönlichen Grenzen und der Wirkmacht von Terror gemacht:

„Es gibt da einen Spruch, über den ich schon oft nachgedacht habe: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Zustimmen würde ich ihm nicht, obwohl ich die Verlockung verstehen kann, die ihn umgibt. Wer würde schon eine Möglichkeit, sein Ziel zu erreichen ausschlagen, wenn die Alternative weit anstrengender, weit ineffektiver sein könnte? Meine Meinung wird bei vielen Menschen vielleicht auf Unverständnis treffen, deshalb erkläre ich, warum ich sie vertrete. Zunächst müssen wir daran denken, dass nichts als allgemein gut oder böse angesehen werden kann. Woher sollen wir dann wissen, ob die Ziele, für die wir kämpfen, überhaupt so gut sind, wie wir behaupten? Vielleicht ignorieren wir, dass sie auch vielen Menschen schaden könnten, wenn wir sie mit Gewalt durchsetzen. Erst bei friedlichen Protesten, an denen sich nach und nach mehr Leute beteiligen, können wir erkennen, ob ein Ziel einer großen Menge dient oder ob es sich um etwas handelt, das den Menschen schadet. Ein weiter Punkt ist: Wenn wir Gewalt anwenden, stellen wir uns auf eine Stufe mit denen, die wir verurteilen. Wir sind nicht länger besser als sie und haben jedes Recht verwirkt, sie kritisieren zu dürfen. Wir können uns sicher sein, dass, wenn wir am Ende die Oberhand gewinnen, wir zu dem geworden sind, gegen das wir angekämpft haben.“

„Ein Kampf, geführt, um die Gesellschaft wachzurütteln und gegen die Fremdbestimmtheit zu politisieren. Ein Kampf um Freiheit und für eine politische Revolution. Doch geht diese Freiheit nicht verloren, wenn man versucht sie mit Gewalt durchzusetzen? Nimmt man dadurch nicht anderen Menschen ihre Freiheit? Ist die eigene Freiheit wertvoller als die eines Anderen? „[D]ie Konflikte auf die Spitze treiben heißt: Daß die nicht mehr können, was die wollen, sondern machen müssen, was wir wollen“
(Konzept Stadtguerilla, RAF)
Das „Konzept Stadtguerilla“ zeigt: Gewalt war in den Augen der RAF ein legitimes Mittel zur Durchsetzung der eigenen Werte und Ziele. Haben wir aus der Vergangenheit gelernt?“

„Ich denke, dass der wichtigste Wert, den man erreichen kann – vollkommene, persönliche Freiheit – ein Wert ist, der nur zu erreichen ist, wenn der Protest, der zur Erreichung führt, auch friedlich verläuft. Denn meiner Meinung nach verliert Protest, der heutige als auch der in der Vergangenheit, seinen Wert, wenn sein Grund als Legitimation von Gewalt benutzt wird. Somit relativieren sich jegliche positive Aspekte dieses Protestes und die Gewalt rückt in den Vordergrund.“

Was bedeutet Freiheit? Was sind deine Grenzen?

Was bedeutet für dich Freiheit?

Das freie Lieben?
Das freie Handeln?
Das freie Sprechen?
Das freie Kämpfen?
Was würdest du für deine Freiheit geben?
Was bist du bereit dafür zu tun?
Würdest du jahrelang verschwinden?
Würdest du unauffällig auffällig leben?
Dein bisheriges Leben aufgeben? Alles aufgeben?
Das alles nur für Freiheit?

Wie würdest du dafür kämpfen? Wieviel Gewalt bist du bereit dafür auszuüben?
Darfst du überhaupt Gewalt ausüben?
Wieviele Menschenleben würde dein Kampf kosten?
Wieviele Gebäude würde dein Kampf kosten?
Wie weit würdest du gehen?
Wieviel darf man heute noch geben?
Was ist heute noch legitimiert?
Was solltest du anders machen?
Was sind deine Grenzen im Kampf für deine Ziele?
Wo sollten unsere Grenzen liegen?
Wofür würdest du an deine Grenzen gehen?

Was hättest du damals getan?
Was hättest du an Stelle der RAF getan?

Der LK Geschichte der MSS11