„Schandgrab“ in Nackenheim

Dr. Helge Weichmann verzaubert sein Publikum

Dr. Helge Weichmann verzaubert sein Publikum

„Bereits sein Debütroman hat in Zeitungen und TV für Furore gesorgt“, so kündigte Schulleiterin Helga Lerch am 13.02.2014 dem interessierten Publikum in der alten Bibliothek des Gymnasiums den Mainzer Autor an. Dieser verstand es in den folgenden zwei Stunden, den Zuhörern Figuren und Handlung seines größtenteils in Mainz spielenden Kriminalromans „Schandgrab“ auf unterhaltsame Art näherzubringen sowie aus dem Nähkästchen eines Hobby-Schriftstellers zu plaudern.

Besonders für die anwesenden Schülerinnen und Schüler zweier Deutsch-Grundkurse war es spannend, den Autor eines Buches persönlich kennenzulernen, das sie aktuell im Unterricht behandeln. Im Saal aufgehängte Plakate demonstrierten die von den Gymnasiasten im Deutschunterricht bearbeiteten Themenfelder zum Roman. So konnte man sich beispielsweise über den historischen Hintergrund oder die Personenkonstellation des Krimis, dessen Wurzeln bis in die Zeit der Pestepidemien im Mittelalter reichen, informieren. „Die Schüler haben sehr gründlich gearbeitet. Es finden sich hier Details zum Roman, die ich selbst nicht mehr wusste“, lobte Autor Weichmann.

Den Kriminalfall, bei dem es um eine verschwundene Wissenschaftlerin der Mainzer Stadtgeschichte, eine alte Klosterhandschrift und einen Bilderdiebstahl geht, sollen die in Mainz lebenden und wirkenden Hauptfiguren, die Historikerin Tinne und der AZ-Reporter Elvis, lösen. Doch wie gestaltet ein Autor seine Figuren aus, wie werden sie auf dem Papier „lebendig“? Schriftsteller Weichmann verrät dem Publikum, dass er häufig Freunde oder Bekannte als Vorlagen für Figuren nimmt, die dann deren Kerncharakteristika oder bestimme äußere Merkmale aufgreifen. „Manche Szenen lasse ich auch wie im Film vor meinen Augen ablaufen und versuche dies dann genau zu beschreiben“, lässt er Einblicke in seine kreative Arbeit zu. Auch die Orte, an denen der Roman verschiedentlich spielt, sollen für den lokal ansässigen Leser anschaulich sein. So werden das Kloster Eberbach, das Frankfurter Senckenberg-Museum oder die Mainzer Zitadelle in Szene gesetzt. Sogar eine Schülergruppe des Gymnasiums Nackenheim taucht im Romangeschehen auf, die nach dem Besuch des Mainzer Gutenberg-Museums eine mysteriöse Übelkeit ereilt.

„Ich gehöre zu den Autoren, die sich lange vorab mit dem Strukturieren der Handlungsstränge beschäftigen“, bekannte Weichmann. „Einfach so drauflos schreiben, das ist nichts für mich.“ So kann es vom Keimen der Idee für einen Roman bis zum fertigen Manuskript ungefähr zwei Jahre dauern. „Bis das Buch dann endgültig im Buchladen steht, vergehen weitere anderthalb Jahre“, zeigte der Autor den langwierigen Prozess der Verlagsarbeit auf.

Am Ende der Lesung nutzten die Schüler die Gelegenheit, mehr über den Autor und seinen Roman zu erfahren. „Ich versuche hauptsächlich mit falschen Fährten und Spannung zu arbeiten, ohne blutrünstige Morde oder Foltermethoden zu benutzen“, so Weichmann auf die Frage eines Schülers nach den geringen Gewaltdelikten im Krimi. „Ich möchte den Leser zwei- bis dreimal so richtig in die Irre führen.“ Diesem Motto bleibt der Autor treu, wenn er im kommenden Sommer Tinne und Elvis auf Schatzsuche schickt: Der Folgeroman „Schandgold“ spielt im beschaulichen Oppenheim, also in direkter Nachbarschaft des Gymnasiums Nackenheim.

Die Lesung war als Benefiz-Aktion zugunsten der Stiftung Bärenherz e.V. angekündigt, statt Eintrittsgeld stand eine Spendenbox bereit. Am Ende konnten sich alle Beteiligten über 350 Euro freuen, die der Krimi-Abend eingebracht hatte und die nun dem Kinderhospiz zugehen.