Schulseelsorge

Pfr. Peter Bornkessel, evangelische Kirche
Maria Wügner-Schäfer, Diplomtheologin, römisch-katholische Kirche

Schulseelsorger Pfarrer Peter Bornkessel

Schulseelsorge – mit diesem spezifischen Dienst sind in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau viele Schulpfarrer  beauftragt. Die Seelsorger gestalten den geistlichen Alltag an den Schulen mit, haben für die Sorgen und Nöte der Schüler ein offenes Ohr und geben Zuspruch und Hilfe. Mit diesem ausgeprägten Modell in der Zusammenarbeit von Schule und kirchlicher Seelsorge hat die EKHN eine Vorreiterrolle übernommen.
Für die Kinder des Nackenheimer G8 Gymnasiums gehört dieses kirchliche Angebot zum Schulalltag einfach dazu. Hier bietet Schulpfarrer Peter Bornkessel zweimal pro Woche eine Seelsorge-Sprechstunde an. Er ist mit einem Viertel seiner Stelle als Schulpfarrer für diese Aufgabe freigestellt. Sein Schulbüro ist mit einem gemütlichen Couchbereich für die persönlichen Gespräche ausgestattet. Und die Nachfrage ist riesig. Bis zu acht Schüler stehen jede Sprechstunde vor der Tür Schlange. Sie kommen mit kleinen Wehwehchen, wie Streit mit der Freundin oder Unstimmigkeiten in der Klasse, doch auch in wirklichen Krisensituationen wie der Tod eines geliebten Menschen. Insbesondere die Trennung von Eltern können die Schüler oftmals nicht alleine bewältigen. Mit Freunden möchten die Schüler in vielen Fällen nicht darüber sprechen, da sie sich schämen, dass es bei ihnen zu Hause „nicht stimmt“. Peter Bornkessen nimmt die Probleme ernst: „Es geht bei den Kindern und Jugendlichen nicht darum ein Pflaster auf die Wunden zu kleben, sondern auch mal ein kritisches Gespräch auszuhalten, zusammen Trauer zu erleben und Lösungswege aufzuzeigen.“

Raum der Stille

Raum der Stille

Die Schulseelsorger werden nur auf Wunsch der Schulleitungen eingesetzt. Die Schulleitungen treten an die kirchlichen Schulämter heran und bewerben sich für dieses zusätzliche Angebot an ihrer Schule.  Überwiegend werden Schulseelsorger in großen Schulsystemen wie Berufsschulen, Gymnasien und der integrierten Gesamtschule eingesetzt. Seit den 80er Jahren hat die EKHN dieses Konzept kontinuierlich ausgebaut. Die Stellen bieten der EKHN die Möglichkeit, Kirche ein Stück weit in den Lebensmittelpunkt der Schüler einzubringen. „Wir legen Wert darauf, dass Kirche erkennbar ist und auch an den staatlichen Schulen neben dem Religionsunterricht christliche Akzente gesetzt werden, zu denen alle Schüler eingeladen werden. Dies wird von den Schulen als große Bereicherung erfahren.“, erklärt Dr. Christoph Meier, Leiter des Kirchlichen Schulamts Mainz. Dies bestätigt auch Schulleiterin Helga Lerch. Gerade an Ganztagsschulen wie dem Nackenheimer Gymnasium ist Schulseelsorger ein wichtiger Bestandteil des Schulkonzepts. Die Kinder verbringen hier den Großteil ihrer Lebenszeit. Sie bringen Probleme mit, die oftmals mit der Schule gar nichts zu tun haben und benötigen in diesem Lebensraum kompetente Ansprechpartner. „Wir nennen uns „Schule mit Herz“ und das Angebot von Pfarrer Bornkessel bringt noch die Seele dazu“, beschreibt Lerch die Motivation für die Bewerbung bei der EKHN, „Wir haben seit dem 1. Tag ein Wertekonzept erarbeitet, bei dem der Mensch und nicht die Leistung im Mittelpunkt unserer Arbeit steht. Dazu braucht man auch Personen, die dieses Konzept mit tragen und ausfüllen. Die Schulseelsorge bietet für die Schüler ein niederschwelliges Angebot zum Gespräch.“

Daneben wird an der Schule auch ein großes Augenmerk auf weitere geistliche Angebote gelegt. Es wurde ein „Raum der Stille“ geschaffen, in dem Andachten gefeiert und Meditationen angeboten werden oder der einfach als Rückzugort aus dem hektischen Schulalltag genutzt werden kann. Pfarrer Bornkessel nutzt diesen Raum gerne mit seinen Schülern und spürt, wie diese spirituelle Umgebung die Schüler zum Nachdenken und Verweilen einlädt.

Konfessionelle Grenzen kennt Pfarrer Bornkessel in seiner Arbeit nicht. Er sieht sich als Schulseelsorger für alle Kinder verantwortlich und auch andersgläubige Schüler nehmen sein Angebot gerne in Anspruch: „Natürlich versuche ich in den Gesprächen christliche Werte zu vermitteln, doch ich werde nur dann religiös, wenn ich merke, dass der Schüler dies auch möchte. Manche Gespräche enden in einem Gebet, manche eben nicht.“. Das Erfolgsrezept seiner Arbeit sei Respekt und die Einhaltung der Schweigepflicht.
Der Aspekt der Schweigepflicht unterscheidet die Schulseelsorger von normalen Vertrauenslehrern.  Während mit Vertrauenslehrern in erster Linie schulische Fragen geklärt werden, geht die Schulseelsorge sehr viel tiefer in den persönlichen Bereich. Seelsorger unterliegen nicht der Schulhierarchie, sondern sind in ihrem Auftrag völlig frei. Die Gespräche sind absolut vertraulich und werden niemals in Elterngesprächen oder Klassenkonferenzen eingebracht. Bornkessel erklärt:  „Ich biete schlicht und ergreifend Seelsorge an. Mir kann jeder das Herz ausschütten, egal was ihn bewegt. Und das tun die Kinder auch, da ich meine Schweigepflicht sehr ernst nehme.“

Schulseelsorgerin Maria Wügner-Schäfer , Diplomtheologin

Schulseelsorgerin Maria Wügner-Schäfer

Schulseelsorgerin Maria Wügner-Schäfer

„Was willst Du, das ich Dir tue“( Was brauchst Du?)

Schulseelsorge, Schulpastorale ist u.a. ein Angebot der römisch-katholischen Kirche, das
im schulischen Kontext steht und unter den schulischen Rahmenbedingungen stattfindet.
Auf dem Hintergrund des Evangeliums, am Lebensbeispiel Jesus orientierend, soll das
Leben an der Schule positiv mitgestaltet und Schule“ menschenwürdiger gemacht werden.

Die Begegnung mit dem Menschen war und ist mir vom ersten Tag seit Gründung der
Schule und somit meines Wirkens das wichtigste Element.

Schulseelsorge soll Räume der Begegnung und Begleitung schaffen, für Menschen verschiedener Konfessionen, für Menschen unterschiedlichster Herkunft, mit unterschiedlichsten Begabungen und für deren Freuden und Sorgen: Räume der Begegnung mit sich selbst, mit dem Nächsten und mit Gott.

Neben dem laufenden Unterricht konnte mit der Planung und Errichtung des Raumes der Stille im Jahr 2010 sowie mit dem Gesprächsangebot „ Ansprechbar“ , weitere Orte der Begegnung geschaffen und die Möglichkeiten der Schulpastorale deutlich erweitert werden: Aus dem „ Er-Leben“ im Alltag, hin zur „ Ansprechbarkeit“ zwischen „ Tür und Angel“ ,aber auch auf Wunsch zu einem abgesprochenen Zeitpunkt. Inhalt sind hier Gespräche in Notsituationen wie Konflikten, Streit, Krisen und Trauersituationen.

Hier kann die Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern gefördert und zu einem Leben aus dem Evangelium ermutigt werden.

Die Sprechstunden, „ Ansprechbar“ genannt ,sind

  • ein Ort ,an denen die Schüler und Schülerinnen ihre Würde als Mensch erfahren,
  • ein Dienst am einzelnen Menschen,
  • ein Ort der gegenseitigen Anerkennung und respektvollen Wertschätzung,
  • ein Ort des offenen Ohrs,
  • ein Ort des qualifizierten Rates,
  • ein Ort der angebotenen Hilfe,
  • ein Ort der Orientierung,
  • ein Ort um Sinnfragen und Lebensfragen zu stellen und
  • ein Ort der religiösen Begleitung in den Herausforderungen des Lebens .

Gelebtes Miteinander und die Bereitschaft zu helfen und zu teilen hinterlässt nachhaltig ihre Spuren. Durchgeführte und teilweise wiederkehrende Aktionen wie

  • „Meins wird deins“ Kleideraktion zu St. Martin
  • Spendenlauf zugunsten der Christoffel-Blindenmission
  • Aktion Tagwerk , bereits im 4. Jahr
  • AG: Mitmenschen erleben, eine Kooperation mit dem hiesigen Seniorenhaus Hieronymus
  • Bibelwerkstatt u.v.m. vertiefen das Wertekonzept von Schulpastoral.

Raum der Stille
Ein Beitrag zur Schulkultur und Wertemotto der Schule.

Raum der Stille

Raum der Stille

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:
Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

(Rainer Maria Rilke)

Mit der Verwirklichung dieses Raumes im Jahr 2010 konnte die Schulseelsorgerin Frau Maria Wügner-Schäfer, mit Unterstützung der Schulleitung, einen weiteren, wichtigen Baustein des schulpastoralen Angebotes machen.

Die Sehnsucht nach Ruhe und der Erfahrbarkeit der Stille in einer Zeit der ständigen Geräuschkulisse setzt voraus, dass man es lernen kann, äußere Stille zu schaffen und innerlich still zu werden. Die Stille kann ein Türöffner für eigene lebenswichtige Erfahrungen und Fragen werden, aber auch Raum für Gotteserfahrungen bieten.

Raum der Stille erfahren

Raum der Stille erfahren

Die Raumnutzung bietet feste Öffnungszeiten, während denen man sich seinen individuellen     Bedürfnissen entsprechend zurückziehen kann.

  • offenes Angebot in der Mittagszeit,
  • Angebote von Gesprächsmöglichkeiten,
  • Besinnungen,
  • meditative Übungen,
  • Angebote von Schülern für Schüler,
  • Begehung von Gedenktagen
  • Sternstunden im Advent und vieles mehr.
Andacht im Raum der Stille

Andacht im Raum der Stille